BUCHBESPRECHUNG: „ICH NANNTE IHN KRAWATTE“ (2 2014)

Hikikomori nennt man in Japan junge Männer um die 20 die sich im Haus der Eltern in Ihr Zimmer zurückziehen und dort jahrelang verweilen. Man schätzt ihre Zahl auf deutlich mehr als 100.000 . Oft verschweigen die Eltern Freunden und Nachbarn gegenüber deren Existenz. Der Sohn studiere im Ausland ist eine der üblichen Ausreden.

Ein Hikikomori verhält sich so, weil er sich dem Anpassungsdruck in Schule und Gesellschaft nicht gewachsen fühlt. „Ich kann nicht mehr“

sagt Taguchi Hiro seinem Vater als dieser verzweifelt die Tür mit dem Brecheisen aufstemmt und versucht seinen Sohn mit Gewalt aus dem Zimmer zu holen.

Nach zwei Jahren beginnt Taguchi damit das Zimmer tagsüber zu verlassen und auf einer Bank in einem nahe gelegenen Park über seine Situation nachzudenken. Dort begegnet er dem 58jährigen vor kurzem von seiner Firma entlassenen Büroangestellten Öhara Tetsu, der seine Tage auf der Nachbarbank verbringt um seiner Frau vortäuschen zu können, er ginge noch tagsüber zur Arbeit.

Nach dem sie sich tagelang beäugt haben ohne ein Wort miteinander zu wechseln bricht der Ältere das Schweigen, stellt sich vor und beginnt zu reden. In den folgenden Tagen sitzen nun beide auf einer Bank und legen einander ihre Lebensbeichte ab. Öharu erzählt wie er seine Frau kennen lernte, wie er sie mit dem gemeinsamen behinderten Kind allein ließ und sich in die Arbeit stürzte. Wie ihn diese Arbeit mit zunehmenden Alter immer mehr überforderte und er schließlich entlassen wurde weil er nicht mehr „effizient genug“ war.

Taguchi erzählt von der Angst vor seinen Mitschülern. Er wollte um keinen Preis auffallen und half dem Mädchen nicht, das in der Kindheit seine Freundin war und später seine Mitschülerin, als sie von den anderen gequält wurde. Als sie sich deshalb umbringt und später sein einziger Freund (vermeintlich) Selbstmord begeht wird er damit nicht fertig und schließt sich in sein Zimmer ein.

Auf beide wirkt es befreiend einen Zuhörer gefunden zu haben. An einem Freitag entschliessen sie sich einen Neuanfang zu wagen. Öhara verspricht, seiner Frau zu gestehen das er keine Arbeit mehr hat und Taguchi will sich noch am selben Abend die Haare kurz schneiden.

Sie verabreden sich für den folgenden Montag auf ihrer Bank aber nur einer von beiden kommt…

Die Autorin Milena Michiko Flasar, geboren 1980 hat eine japanische Mutter und einen österreichischen Vater. Sie lebt in Wien.

Ich nannte ihn Krawatte“ von Milena Michiko Flasar

136 Seiten Verlag Klaus Wagenbach Berlin

ISBN 978 3 8031 3

Snowdens Enthüllungen und meine Konsequenzen daraus:

Die durch Edward Snowdens Enthüllungen bekannt gewordenen globalen Übergriffe amerikanischer Geheimdienste auf Daten sowohl von Privatleuten als auch von Wirtschaftsunternehmen haben mich schockiert. Nahezu jeder Internetnutzer muss davon ausgehen, das seine Verbindungsdaten gespeichert worden sind.

Die rüden Angriffe amerikanischer und britischer Politiker auf die Medien (Guardian), die Snowden die Möglichkeit boten seine Kenntnisse zu publizieren, die schiere Zahl der Übergriffe (Milliarden), das fehlende Unrechtsbewusstsein der Täter und vor allem die Bereitwilligkeit mit der amerikanische Firmen die Daten ihrer Kunden den staatlich legitimierten Spitzeln überließen führte dazu das ich mich entschloss, mich möglichst von allen US amerikanischen Anbietern digitaler Produkte und Dienstleistungen zu trennen, deren Produkte und Leistungen ich bisher genutzt habe.

Erster Schritt war die Einrichtung einer neuen Mail-Adresse bei einem europäischen Anbieter. Meine Wahl fiel auf posteo.de . Posteo ersetzt mir inzwischen gmail, den google-Kalender und das google Adressverzeichnis.

Als nächstes wechselte ich den Browser. Das fiel mir schwer. Ich habe Chrome wegen seiner leicht bedienbaren Oberfläche und seiner Schnelligkeit geschätzt, fast geliebt. Dennoch kehrte ich nun reumütig zum Firefox Browser zurück.

Der nächste Schritt war der Wechsel des Betriebssystems. Im letzten Sommer kaufte ich mir in der Bahnhofsbuchhandlung ein UBUNTU – Magazin mit beiliegender CD. Ich machte mich mit dem System so weit es mir möglich war vertraut, wollte jedoch die Instalation ohne Hilfe nicht in Angriff nehmen. Da fügte es sich gut, dass die Gelsenkirchener Volkshochschule im September ein Tagesseminar: „Ubuntu installieren und nutzen“ anbot.

Ich traf auf drei graubärtige Rentner und einen Informatik-Studenten der uns bei der Installation behilflich war . Wir installierten die Version 12.04 Precise Pangolin. Die Versionen sind nicht wie bei Apple nach Raubkatzen, sondern nach afrikanischen Tieren benannt (Pangolin = Schuppentier) Die Bildschirmoberfläche ist nur wenig gewöhnungsbedürftig und wenn man das System aufruft ertönt anstelle eines Jingles eine dezente Buschtrommel.

Danach geriet der Trennungsprozess ins Stocken. Ich deaktivierte noch twitter und pinterest. Für die google Suchmaschine oder google maps habe ich bisher jedoch keinen akzeptablen Ersatz finden können. Auch die gmail Adresse kann ich nicht ohne Probleme für mich und andere Nutzer abschalten. Die vollständige Trennung von google über die Löschung von Fotos, Kalender und Adressdaten hinaus ist wohl zur Zeit noch nicht möglich.

Das gilt leider auch für facebook. Kontakte zu einigen Familienmitgliedern sowie zu Freunden die mir lieb und wert sind und die ich sonst „aus den Augen verlieren“ würde lassen sich nur über dieses Medium aufrecht halten. Das ist mir gerade in der Zeit vor und nach Weihnachten deutlich geworden.

Die Devise im Umgang mit den US-Anbietern lautet also nun zunächst einmal: Minimieren statt blockieren. Die Hoffnung ist die, das ich nicht allein bin und das diese Firmen den Rückgang der Aktivitäten auf ihren Medien registrieren. Möglicherweise ist das schon geschehen. Schon im Dezember haben google, Apple,Microsoft und andere eine Kampagne gegen die Spionageprogramme internationaler Geheimdienste gestartet, weiles bereits negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte gibt.

In dieser Form und mit diesen Inhalten hätten sie sich die Kampagne allerdings sparen können. Das ist alles zu halbherzig und zu unverbindlich. Wahrscheinlich kann ein privater Datensammler einem staatlich legitimierten Datensammler nicht so recht böse sein. Es gibt da möglicherweise so etwas wie ein Grundverständnis. Wäre es den Konzernen ernst gäbe es nur den juristischen Weg. Wie wäre es denn mit einer Schadenersatzklage gegen die NSA wegen Geschäftsschädigung oder besser einer „Verfassungsklage“ die bei Erfolg zur Folge hätte, das nicht der whistleblower sondern der Geheimdienstchef mit einer langjährigen Gefängnisstafe rechnen müsste? Google, apple und Co wären finanziell in der Lage einen solchen Prozess anzustrengen und durch zu stehen aber diesen Aufwand ist Ihnen der Datenschutz wohl doch nicht wert.

Verwendete Quellen:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Internet-Ueberwachung-Google-Apple-Microsoft-Facebook-Twitter-Co-gegen-die-NSA-2062424.html

http://reformgovernmentsurveillance.com/

Auf einem Bein…

…kann man wohl doch nicht stehen. Seit 2005 blogge ich als „Manulan“ bei blog.de . Die Firma Populis die diese Plattform vor einiger Zeit übernommen hat kämpft seit Monaten mit technischen Schwierig-
keiten. Möglicherweise dadurch ausgelöst, das die Servicemitar-
beiter in Berlin gekündigt haben und die Server über die blog.de
nun läuft in Italien stehen. Jedenfalls ist die Kommunikation mit 
anderen Bloggern nur noch gelegentlich möglich und die Hand-
habung ist umständlich geworden.
 
Meine Konsequenz: Ich errichte ein Parallelblog bei blogger.
Nehmen wir die Natur als Vorbild in der vieles doppelt ange-
legt ist. Der Mensch hat zwei Augen, zwei Ohren, zwei Lungen-
flügel etc. (Glücklicherweise nur einen Mund 🙂 ) . Ein 
zweites weblog erscheint mir ebenfalls sinnvoll. Möglicherweise
sind in diesem Fall alle guten Dinge sogar drei. 
Ob sich auch hier Leser finden, sich vielleicht eine neue community bildet – vielleicht zum Teil aus anderen blog.de -„Schiffbrüchigen“ bestehend – ich bin gespannt…

Es wird wohl noch…

…eine geraume  Weile dauern bis ich an dieser Stelle aktiv bloggen werde.

Ich habe dieses weblog eingerichtet um Kontakt zu einigen „Abtrünnigen“ zu halten, die von einer anderen Plattform zu wordpress gewechselt sind und ich frage mich ob ich ihnen folgen soll. Entschieden ist aber noch nichts.

Habt einen angenehmen Sonntag

Manulan